[Juenger-list] Welt-Sonnenbrille
Henry Malon
malon at ezlink.ca
Sun May 27 11:28:41 EDT 2007
27. Mai 2007
Liebe Juenger Freunde:
"Moden sind Verhuellungen." Ernst Juenger. GES. WERKE. Band 8. 443.
"Die Maske ist kultischen Ursprungs; ihre Traeger daemonisch besessen vom Tier oder der Gottheit." Ernst Juenger. AUTOR UND AUTORSCHAFT. 225.
Im Moment arbeite ich an einem Buch unter dem Titel GEDROSCHENE GARBEN, nachdem ich von der Lektuere Ernst Juengers desbezueglich tief beruehrt wurde:" Wenn ich , wie seit der Rueckkehr aus Paris, am Abend einige Seiten von Nietzsches nachgelassenen Fragmenten lese, so nicht ohne zustimmenden oder kritischen Genuss. Ich liess den Editoren durch Calasso meinen Dank ausrichten; es ist erstaunlich , was eine gedroschene Garbe an Koernern noch verbirgt," Ernst Juenger. SIEBZIG VERWEHT III. 30.7. 1985. 538.
Als ich vor einer Woche den maroden, dampfplauderischen Bericht "Was Ihre Brille ueber Sie aussagt" - DIE WELT - 20. Mai 2007 - las, wurde ich sofort an die Bemerkungen Ernst Juengers ueber die Moden und die "gedroschenen Garben" , insbesondere Nietzsches erinnert:" Man muss Buecher lesen, welche man nicht nur durchliest, aber haeufig aufschlaegt: an irgendeinem Satz bleibt man heute, an einem anderen morgen haengen und denkt einmal wieder aus Herzensgrunde nach: fuer und wieder, hinein und darueber hinaus, wie einen der Geist treibt, so dass es einem dabei jedesmal heiter und wohl im Kopf wird. Allmaehlich entsteht aus dem Nachdenken ein Umstimmung der Ansichten." Nietzsche. MENSCHLICHES-ALLZUMENSCHLICHES. 570.
Der dampfplauderische Zeitungsfritze berichtete ueber Pilotenbrillen, Sportbrillen , Shades, Selbsttoenende Glaeser, Nickelbrillen und Retro-Optik - kein Wort ueber die Hauptsache warum die Menschen Sonnenbrillen tragen - um sich hinter ihnen zu verstecken. Der Mensch in seiner Unsicherheit und Angst versteckt sich hinter seiner Maske - seiner Sonnenbrille - , er redet niemals ueber das was ihn bewegt und erregt - die Ausnutzung und Ausbeutung des Mitmenschen - fernerhin wird niemals ueber Gott, Neid, Eifersucht, Aerger, Hass, Gewissen, Neurose, Schadenfreude, Trotz, Rachesucht, Groll, Zorn, Furcht, Grausamkeit, Geschlechtsverkehr, Paranoia, Angst, Eitelkeit, Bitterkeit, Boshaftigkeit, Gleichgueltigkeit, Geltungsbeduerfnis, Maske, Undankbarkeit, Gier, Geiz, Betriebsamkeit, Ungewissheit, - vor allen Dingen nicht ueber die Ungeduld und das Schuldgefuehl gesprochen. Natuerlich wird grenzenlos , uferlos , unaufhoerlich dummes , unnuetzes Zeug gesabbelt, ueber Dinge des bedeutungslosen, kosmischen Mumpitz, - der nur der Verkleidung, der Verhuellung, der Verstellung, der Verdunklung, der Verbaldowerung, der Verleugnung, der Verbergung, der Verhohnepiepelung, der Vermaskierung des wahren Motivs - des Betrugs, der Ausnutzung, der Ausbeutung, der Luege dient.
"Der Mensch erfaehrt keine Wahrheit , weil jeder Mitmensch ein Maske traegt." Carl Simrock. (1802-1876). DIE DEUTSCHEN VOLKSBUECHER. III. 586.
Horst Bienek (1930-1990) sagt ueber Ezra Pound (1885-1972): "Mir wurde auf eimal bewusst: was ich zeige ist nichts anderes als die Verfaelschung der Wirklichkeit. Es gibt keine Wirklichkeit. Es gibt nur Masken. Und jetzt habe ich Pound die Maske Homers aufgesetzt. Ein Mann der immer Masken getragen hatte und der am Ende selbst nicht mehr wusste was sein wahres Gesicht und was seine Masken waren." Horst Bienek. DER BLINDE IN DER BIBLIOTHEK. 32.
"Ein Mensch ohne zwei Dimensionen kann nicht wirklich sein. Sehr selten trifft man einen Menschen ohne Maske. Man zweifelt ob er existiert." R. D. Lang. (1927-1989).
Vor ein paar Monaten unternahm man in Deutschland eine Umfrage bezueglich der "Ausbeutung" - das Resultat war fuer mich voellig erwartet, da die meisten Normalverbraucher entweder "doof wie Bohnenstroh" sind oder "wie gedruckt luegen". Es gab Leute, die angeblich noch nie ausgebeutet wurden (28.3%) , und solche, die noch nie auf eine Ausbeute reingefallen sind (43.7%) , mit einem Gesamtresultat von 72%. Es besagt, dass die meisten Normalverbraucher mit vorzueglichen Masken gekleidet sind. Diese Leute sind gluecklich, weil sie so naiv und komatoes sind.
Herzliche Gruesse aus dem Land der ziegelroten Irokesen und des maechtigen Manitous. Henry T. Malon.
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