[Juenger-list] Friedrich G. Juenger (1.9 1898-20.7 1977)
Tobias Wimbauer
wimbauer at web.de
Fri Jul 20 06:57:05 EDT 2007
Lieber Henry Malon,
haben Sie Dank für Ihr Gedenken an FGJ.
In einem Brief an einen Akademie-Direktor schrieb FGJ 1949:
"(...) Ich bin nicht blind und anmassend genug, um mich in ein Gremium einzuschliessen, das meinen Bruder ausschliesst und seine Anwesenheit als 'unerwünscht' bezeichnet. (...) Jedenfalls gehe ich lieber mit meinem Bruder spazieren, als dass ich in einem Kollegium sitze, von dem er ausgeschlossen ist, denn die Erfahrung hat mich darüber belehrt, dass ein Gespräch mit ihm ergiebiger ist als alle Sitzungen, denen er sich fernhält. (...)"
Schöne Grüsse rundum und nach Kanada,
TW
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: "Henry Malon"
Gesendet: 20.07.07 12:37:24
An:
Betreff: Friedrich G. Juenger (1.9 1898-20.7 1977)
18.7. 2007
"Aufrichtigkeit und Dankbarkeit sind die dorischen Pfeiler eines vernunftbegabten Gemuets, da sie die Gottes Naehe an den Tag bringen." Harold Kleed.
Liebe Juenger-Freunde:
Zur Wiederkehr des dreissigsten Todestages Friederich Georg Juengers (1.9.1898-20.7.1977), dachte ich, waere es wohl angebracht, ueber die inbruenstige Liebe Ernst Jungers fuer seinen Bruder etwas zu plappern. Wie jeder vernunftbegabte Zeitgenosse weiss, kaum jemand liebte seinen Mitmenschen so sehr wie Ernst den Friedrich. Jawohl," er liebte ihn mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all seiner Kraft und all seinen Gedanken," - er liebte ihn ueber alles. Aus diesem Anlass fand ich einige Zitate , die sogar den vernunftlosen Buerger befluegeln koennten:
1. Die Naehe Friedrich Georgs ist seit den Kindertagen ein grosser Trost fuer mich. BLAETTER UND STEINE. 4. 6. 1939.
2. Ich fahre uebermorgen an den Bodensee. Vielleicht ist es gut, dass ich mich etwas ausluefte. Auch ist es eine grosse Sache, wenn ein Mensch, der absolut gelebt hat, fuenfzig Jahre alt wird. Alles wetteifert heute, sie zur Strecke zu bringen, und daher sind solche Jahre doppelt zu rechnen wie Kriegsjahre. In meinem Bruder fand ich den einzigen, der mir in bestimmten Stunden sagen konnte, was recht war, und deshalb muss ich ihm dankbar sein. ERNST JUENGER - GERHARD NEBEL - BRIEFWECHSEL. 28. 8. 1948.
3. Fuer mich sind Sie (Gerhard Nebel) eine autarke Kraft, und unter den zahllosen Aspiranten, denen ich waehrend der letzten dreissig Jahre begegnete, ausser meinem Bruder der einzige, den ich ernst nehme. Ibid. 5.2. 1949.
4. Wir fuhren, wie seit vielen Jahren, zu des Bruders Geburtstag an den See. - - - Der Vater hatte einst erzaehlt, dass, waehrend er am Tag nach Friedrich Georgs Geburt zum Standesamt ging , um den Sohn registrieren zu lassen, auf dem Welfenplatz die Kanonen gefeuert hatten; es war am Sedanstag. Abends, wie immer, zusammen mit den alten Freunden: Hans Speidel, Monsignore Horion, Vittorio Klostermann und dem Ueberlinger Stamm. SIEBZIG VERWEHT. I. 1. 9. 1969.
5. Genau vor neunzig Jahren - in der naechsten Woche - am 28.7. 1917 - geschah in Langemarck ein unvergessliches Ereignis, - ein unerklaerliches Wunder - das Ernst Juenger, wie folgt, beschrieben hat:" Ein Mann kam und teilte mir mit, dass mein Bruder verwundet in einem nahen Unterstand liege. Er zeigte dabei auf ein wuestes, von entwurzelten Baeumen bedecktes Blockhaus, das bereits von den Verteidigern verlassen war. Ich eilte ueber eine Lichtung, die unter gezieltem Gewehrfeuer lag, und trat ein. Welch ein Wiedersehen! Mein Bruder lag in einem von Leichengeruch erfuellten Raum inmitten einer Menge aechzender Schwerverwundeter. Ich fand ihn in einer traurigen Verfassung vor. Beim Sturm hatten ihn zwei Schrapnellkugeln getroffen, die eine hatte die Lunge durchgeschlagen, die andere das rechte Oberarmgelenk zerschmettert. Das Fieber glaenzte ihm aus den Augen; eine geoeffnete Gasmaske hing auf seiner Brust. Er konnte nur mit Muehe sich bewegen, sprechen und atmen. Wir drueckten uns die Hand und berichteten. Es war mir klar, dass er nicht an diesem Ort bleiben durfte, denn jeden Augenblick konnte der Englaender stuermen oder eine Granate dem schwerbeschaedigten Betonklotz den Rest geben. Der beste Bruderdienst war, ihn sofort zurueckzuschaffen. Obwohl sich Sandvoss gegen jede Schwaechung unserer Kampfkraft straeubte, gab ich den fuenf mitgenommenen Leuten den Auftrag, Fritz zum Sanitaetsunterstand "Kolumbien" zu tragen und von dort Leute zur Bergung der anderen Verwundeten mi mizubringen. Wir knuepften ihn in eine Zeltbahn und steckten eine lange Stange hindurch, dann nahmen ihn zwei Mann auf die Schulter. Noch ein Haendedruck, und der traurige Zug setzte sich in Bewegung." IN STAHLGEWITTERN. 185.
Mit herzlichen Gruessen aus dem Land des maechtigen Manitous - Henry T. Malon
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