[Juenger-list] Kuriose Tornisterschrift
T. Wimbauer
wimbauer at web.de
Sun Aug 28 05:17:37 EDT 2005
Lieber Herr Raithel, liebe Liste.
Bei dem Zitat handelt es sich um ein Zitat aus DER KAMPF ALS INNERES ERLEBNIS - zum Glück nicht um einen Originalbeitrag. Es ist zu vermuten, daß der Abdruck ohne Wissen EJs geschah. In analogen Fällen hat er sich jedenfalls geweigert.
--
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"Andreas Raithel" <AndreasRaithel at t-online.de> schrieb am 28.08.05 11:13:38:
Buchstäblich auf einem Dachboden fand sich ein lustiges Heftchen:
Dem Führer
Worte deutscher Dichter.
Tornisterschrift des Oberkommandos der Wehrmacht (Abteilung Inland)
Zum Geburtstag des Führers 1941
Heft 37
Das Heft beinhaltet auf 61 Seiten eine Sammlung von Gedichten und kurzen
Texten mit einem Geleitwort von Hermann Göring. Auf dem Innentitel findet
sich der Vermerk: "Ausgewählt von August-Friedrich Velmede". Nach Weinheber,
Kolbenheyer, Brehm, Burte und Schumann folgt auf S. 9 ein Text von Ernst
Jünger:
"Wir sind Kameraden, wie nur Soldaten es sein können, durch Tat, Blut und
Gesinnung zu einem Körper und einem Willen verwachsen. Feiglinge halten sich
nicht in unseren Reihen; wie wir den Weg zum Feinde, so wissen sie den
sicheren Boden des Hinterlandes zu finden. Oft ärgern wir uns, wenn sie
Karten >mit kameradschaftlichen Grüßen< senden; heute streift kein Gedanke
in ihre Reviere der Gesellschaft, des guten Tons und der guten Weine. Als
Erste im Kampf zu stehen: das halten wir noch immer für eine Ehre, der nur
die Besten würdig sind.
Heute sind der Mann und die Tat des Tages Inhalt, und übermorgen wird von
der besten Mannschaft eines großen, kriegerischen Volkes der Meißel an das
neue Gesicht der Erde gelegt. Das ist ein Tag wie die von Wahlstatt, von
Wien und von Leipzig, da wird einem Volke und seines Gedankens die blutige
Gasse gebrochen."
Ohne Experte in Sachen Ernst Jünger zu sein, würde ich doch stark vermuten,
daß es sich hier 1941 (Jünger war zu dieser Zeit ja selbst schon Liebhaber
guter Weine...) wohl kaum um einen originalen Beitrag handelt. Der erste
Abschnitt könnte aus seinen frühen Kriegsbüchern, der zweite aus seinen
politischen Aufsätzen der zwanziger Jahre stammen.
Interessant ist aber die Frage nach der Konstellation des Ganzen. Wer war
August-Friedrich Velmede? Wer hat den Jünger Text aus welchem Grunde in das
Heft genommen? War Ernst Jünger vorab informiert? Gab es nach Erscheinen
eine Reaktion?
Hat jemand auf diese Fragen Antworten?
Herzliche Grüße
Andreas Raithel
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